Sollen ICT-Lösungen von Unternehmen selbst entwickelt oder extern eingekauft werden? Die fünfte ICT-Konferenz, gemeinsam durchgeführt von der IHK St.Gallen-Appenzell und vom Verein IT St.Gallen, hatte diese wichtige Frage zum Thema. Gerade bei kleinen Unternehmen mit beschränkten IT-Budgets ist dies eine sehr wichtige Frage, um in der Digitalisierung dran zu bleiben. Swiss21 hat die Konferenz besucht und sich einen Überblick verschafft.

Michèle Mégroz Vorsitzende der Geschäftsleitung der CSP AG stellte in der ersten Präsentation des Abends die eher rhetorische Frage: «Braucht es im heutigen KMU ICT-Kompetenzen in GL und VR?». «Digitalisierung ist Chefsache und soll nicht durch die IT geführt werden. Im Zentrum steht das Kundenbedürfnis.», betonte Mégroz. Die wichtigsten Themen für GL und VR bezüglich Digitalisierung sind: Zunehmende Vernetzung, Visualisierungsmöglichkeiten, neue Kommunikations- und Kooperationsformen, verändertes Kaufverhalten, Automatisierung, Effizienzsteigerung, Prozessoptimierung, Verlust von gewohnten Alltagsstrukturen sowie neue Arbeits- und Organisationsformen. All diese Veränderungen zwingen viele Branchen zu Anpassungen und bringen neue Geschäftsmodelle hervor.

Candid Wüest von Symantec hatte danach ein etwas spezifischeres Thema an den Mann und die eher in Unterzahl anwesenden Frauen zu bringen: «IT-Security – Was braucht es wirklich und was ist Mythos?». Gerade für KMUs ohne grössere IT-Abteilung ist es schwierig, sich solchen Themen selbst anzunehmen. Die Stichworte dazu: SPAM/SCAM Emails, Cloud & Shadow IT, Supply Chain Attacken, Denial of Service (DoS), Data Breaches, BYOD/Bring your own device & Mobile, Ransomware, Exponierte Services, Authentifizierung und Regulationen.

Und kurz zusammengefasst, worauf Unternehmen achten sollten:

 

Wichtig dabei: Kümmern Sie sich zuerst um die Basics, bevor Sie sich auf einen Advanced Persistent Threat/APT vorbereiten. Ganz kurz, ein APT ist ein gezielter Angriff auf kritische IT-Infrastrukturen.

Stefan Zimmermann, Leiter Digital der Galledia, ging danach auf die IT-Infrastruktur des Druck- und Verlagsunternehmens mit 220 Mitarbeitenden ein. Zimmermann wies auf die schwierigen Jahre der Verlagshäuser hin, wobei es sich bei Galledia um ein finanziell gesundes Unternehmen handelt, und erklärte damit den pragmatischen Mix aus vor allem bei verlagsspezifischen «hausgemachten» Applikationen und vielen zugekauften Anwendungen. Tendenziell strebt Galledia eine Reduktion der Eigenentwicklungen an. Welche neuen Technologien bei Galledia Einzug halten, zeigte Zimmermann an folgenden Beispielen: Der Maschinenpark wird mit predictive maintenance immer mehr auf zustandsorientierte Instandhaltung ausgelegt, Übersetzungen werden mehr und mehr mit machine translation maschinell erledigt bzw. unterstützt und Offerten werden mittelfristig nicht mehr manuell kalkuliert, sondern aus Erfahrungswerten statistisch erhoben.

Mit Heini Seger von tomsfive folgte danach ein ganz startup-typischer locker-flockiger Beitrag zu technischen Tools, die den unternehmerischen Alltag erleichtern. Hier stellte sich die Frage für einmal nicht: Make or Buy. Viele Startups nutzen Tools wie diese, die sich vor allem dadurch auszeichnen: Always on the move und damit ist ortsunabhängiges Arbeiten zentral. Natürlich in der Cloud. Für die Organisation nutzt das Jungunternehmen das Google-Universum mit Kalender, Docs und Hangouts als Beispielen. Für die Kommunikation und Kooperation nutzen sie Slack, für die Admin/Buchhaltung und das CRM nutzen sie zwei verschiedene Tools. Als kleiner Hinweis in eigener Sache: Wenn tomsfive nicht unseren Konkurrenten für die Buchhaltung nutzen würde, bräuchten sie auch kein separates CRM, da dies bei uns bereits integriert ist. Für die Projektorganisation nutzt tomsfive Trello und für günstige (internationale) Zahlungen Revolut. Und last but not least – und am meisten begeistert darüber – zeigte Heini Seger die App Eddy Travels an diesem Abend gleich live. Die App hilft ihm bei seinen vielen internationalen Reisen mit einem Voice-Interface günstige Flüge, coole Hotels und leckere Restaurants zu finden. Gestützt durch künstliche Intelligenz schnell und einfach. Nach diesem erfrischenden Auftritt hatte man bestimmt keine Lust mehr auf althergebrachte IT-Tools.

Prof. Schuster von der Hochschule für Technik Rapperswil stand Heini Seger in Sachen Faszination für das was er tut in nichts nach, präsentierte aber ein etwas weniger gut greifbares Thema: «AI & ML – Wohin die Reise geht». Er fasste den aktuellen Stand bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen so zusammen: «AI und ML werden in der Schweiz von KMUs noch kaum genutzt. Die Methoden sind dazu noch zu jung und fehlendes Wissen darüber einer der Hauptgründe.» Gemäss Schuster ist es sinnvoll, AI & ML einzusetzen, wenn es für ein Problem KEINE einfachen klare Regeln, aber dafür viele Beispiele gibt. Damit kann man eine Maschine füttern, die Informationen viel schneller verarbeiten kann als Menschen. Für Schuster sollten sich Unternehmen bewusst sein: «Alles in AI & ML lässt sich nachbauen, aber ohne die richtigen Daten geht gar nichts. Daten sind das neue Öl.»

Prof. Handschuh von der Uni St. Gallen sprach ebenfalls über «AI & ML – Wohin die Reise geht», näherte sich dem Thema aber von Seiten NLP/natural language processing und weniger von der industriellen Nutzung wie sein Vorredner Prof. Schuster an.

Folgende Übersicht zeigt aktuelle Technologien und wo sie heute bezüglich Erwartungen und Nutzung in der Praxis stehen:

 

Handschuh betonte, dass datenintensive Anwendungen wie AI und ML nur dank der exponentiell gewachsenen Rechenleistung unserer IT-Systeme möglich wurden. Er erwähnte erste Versuche autonomen Fahrens von Daimler im Jahr 1987. Bereits wenige Parameter, die noch nicht viel mit «autonom» zu tun hatten, bedeuteten bereits bis unters Dach mit damaliger Technologie vollgestopfte Fahrzeuge.

Handschuhs Ausblick bezüglich Automation, Robotik und ML liest sich aus damaliger Sicht denn auch arg futuristisch, aus heutiger Sicht aber schon ganz plausibel:

  • Unternehmen erwarten, dass bis 2025 ein Drittel ihrer Geschäftsprozesse automatisiert sein wird.
  • McKinsey schätzt, dass 22 Prozent der Anwaltstätigkeiten und 35 Prozent der Aufgaben von Anwaltsgehilfen automatisiert werden könnten.
  • Bis in 5 Jahren gibt es Systeme/Chatbots, die es uns ermöglichen, wie mit einem Menschen zu kommunizieren.
  • Roboter werden uns in der Zukunft unterstützen, als aktive Hilfe aber auch als Begleiter; insbesondere im Alter.

 

Swiss21 liegt die Digitalisierung von Kleinunternehmen und KMUs am Herzen. Wir engagieren uns deshalb auch bei digitalen Initiativen wie IT rockt/St.Gallen, Digital Liechtenstein und digitalswitzerland. Nur gemeinsam bringen wir den Wirtschaftsstandort Schweiz bezüglich Digitalisierung voran.

Lesen Sie auch unseren Blog-Beitrag «Digitalisierung überall – auch bei Kleinunternehmen?»

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